Die Mission und die Gemeindegründung als Werk Gottes

1. Gemeindebau als Ziel der Mission und Ertrag der Mission

 

Beginnt die Evangelisation mit der Verkündigung des Evangeliums führt sie zu der Bekehrung der Zuhörer. Paulus schließt seinen Missionsdienst im jeweiligen Gebiet zunächst mit der Gemeindegründung ab. Paulus sieht die zum Glauben gerufenen Gläubigen als Glieder des Leibes Christi an und sammelt sie in örtlichen Gemeinden (vgl. Röm 1,5; 12,4f.; 15,16; Gal 1,1f.; 1Kor 1,1f.; 12,28; 2Kor 11,28).1 Für Paulus ist sein Dienst mit der Verkündigung des Evangeliums und der Bekehrung einzelner Menschen daher noch nicht abgeschlossen. Die Bekehrten schließen sich mit der Taufe der christlichen Gemeinde an.2 Lukas berichtet kaum von direkten Taufhandlungen durch Paulus außer von der Taufe des Gefängnisaufsehers in Philippi in Apg 16,29-34. Paulus berichtet, dass er selbst, außer Krispus, Gajus, Stephanas sowie seinem eigenem Haus, kaum getauft hat (1Kor 1,13-17). Paulus beschreibt hier seinen Sendungsauftrag nicht mit Bezug auf die Taufe, sondern auf die Predigt des Evangeliums (1Kor 1,17a). Aus Sicht des Wesens der Taufe, wie im vorherigen Abschnitt ausgeführt, kann die die paulinische Mission jedoch nicht von der Taufe der Bekehrten als Bekenntnis der Bundesschließung im neuen Bund, der Gemeinde, nicht getrennt werden.3

Der Gemeindebau als Missionsertrag ist letztendlich nicht allein von den Missionaren und deren Programmen abhängig, sondern ist das Werk Gottes. Nach Schnabel hängt der Gemeindebau selbstverständlich „nicht von rhetorischen Techniken oder ausgeklügelten Methoden ab“, sondern allein vom Wirken Gottes. „Deshalb gehören die Gemeinden, die als Frucht der Missionsarbeit entstanden sind, weder Paulus noch anderen Lehrern: Die Gemeinde ist immer Gottes Ackerfeld, Gottes Bau“ (1Kor 3,9).4 Weil das Entstehen und das Wachstum der Gemeinde allein auf Gottes Wirkung zurückgeht, ist die Gemeinde weder Werk noch Besitz des Apostels, sondern Werk und Eigentum Gottes. 5 Die Metapher vom „Bau“ und „bauen“ charakterisiert an sich bereits das Wesen der Gemeinde: „hier geht es zunächst nicht um Einzelpersonen, sondern um die Gemeinde: Die Gemeinde ist als Ganzes vorrangiges Objekt des Bauens [...]; wo einzelne als Objekt aufscheinen, sind sie dies ausschließlich als bereits zur Gemeinde gehörende oder potentielle Glieder.6

An dieser Stelle zieht Schnabel den Inhalt des Evangeliums des gekreuzigten und auferstandenen Christus heran und weist in dieser Hinsicht auf Christus als Grund und Maß der Gemeindegründung und des Gemeindewachstums (1Kor 1,23; 2,2; 3,11; 15,2).7

Die Gemeinde ist ihrem Wesen nach Gottes Werk und ihre Gründung und Existenz entspricht zugleich dem Heilsplan Gottes.8 Für Paulus motiviert das Evangelium, so Schreiner mit Verweis auf Peter T. O’Briens Werk „Gospel and Mission“, nicht nur zur Verkündigung der Botschaft allein, sondern auch zur „Gründung“, so wie es Paulus selbst in 1Kor 3,5-15 (vgl. 1Kor 9,7,10.11.) darstellt, und zum „Fundamentlegen“ (Röm 15,20; 1Kor 3,10), zum „giving Birth“ (1Kor 4,15; Philm 10) und „betrothing“ (2Kor 11,2).9 Die Paulusbriefe vermittelten die pioniermissionarische Gemeindegründung von Paulus während seines zweiten Missionsdienstes im Unterschied zur ersten Missionsreise.10 Thomas Schreiner hebt im Hinblick auf Paul Bowers „Fulfilling the Gospel: The Scope of the Pauline Mission” die Gemeindegründung als Missionsziel des Paulus in seiner Verkündigung des Evangeliums hervor.11

Angesichts des Missionsziels war für Paulus eine kurzfristige Evangelisation unter einzelnen oder Gruppen keine Option. Er bezweckte hingegen eine dauerhafte Bewahrung und das Wachstum der Gläubigen. Auf diesem Hintergrund ist die Gemeindegründung als Fundament für Paulus unvermeidbar, weshalb die paulinische Mission die Gemeindegründung beinhaltet (vgl. 1Kor 2,6-9; 3,10; 9,7.10f.; Röm 15,20).12 Rufus Anderson fasst, unter starker Betonung der Gemeindegründung, die Missionsmethoden von Paulus zusammen: Heil des Menschen durch das Evangelium Jesu, durch die Kraft des Heiligen Geistes, überwiegend in niedrigen Schichten der Gesellschaft, schließlich setzte er einheimische pastorale Kräfte ein, wie

Ältesten für den Pastoraldienst in ihrer Gemeinde.13

2. Gemeindegründung als Aufbau von Christi Leib

 

Die neutestamentliche Gemeinde ist ihrem Charakter nach der Leib Christi (Eph 1,22f.) und die intensivste und engste Gemeinschaft der Christen, der Juden und Heiden, in einer neuen vereinten Heilskörperschaft (Eph 3,2-6).14 In der Bibel entspricht die Gemeinde Jesu ihrem Wesen, ihrer Funktion, ihrem Verhältnis und ihrer Stellung nach bildlich umschrieben – „einem neuen Menschen“ (Eph 2,14-15); „dem Leib Christi“ (Eph 1,22-23; 5,30; 1Kor 12,27); „dem Tempel Gottes“ (Eph 2,21-22; 1Kor 3,9.16; 1Tim 3,15; 1Petr 2,5); „einem königlichen Priestertum“ (1Petr 2,5.9; Off 1,6; 5,10); „der Braut Christi“ (2Kor 11,2; Mt 25,6); „dem Haus oder der Familie Gottes“ (Eph 2,19); „der Herde Gottes“ (Joh 10,1-29; 1Petr 5,3-4; Hebr 13,20; Apg 20,28), u.a. Ebenso sind Namen der Gemeinde: „Die Gemeinde Gottes“ (Apg 20,28; 1Kor 1,2; 10,32; 11,22; 15,9; 1Tim 3,5; 1Thes 2,14); „die Gemeinde des lebendigen Gottes“ (1Tim 3,15; 1Petr 2,5); „die Gemeinde Christi“ (Röm 16,16); „die Gemeinde der Erstgeborenen“ (Hebr 12,23) und „die Gemeinde der Heiligen“ (1Kor 14,33).15

 

Die Gemeindegründung gehört zu den Hauptanliegen der apostolischen und paulinischen Missionsmethode.16 Unterdessen befasst sich R. Anderson mit den Räumen der Versammlungs- und Anbetungsorte der Christen in der apostolischen Zeit. Anderson teilt in diesem Zusammenhang die Ansicht von Neander und Mosheim. Aus neutestamentlichen Quellen geht hervor, dass Paulus bei seinem Missionsdienst nirgendwo Kirchengebäude errichtete bzw. errichten ließ. Die christlichen Versammlungen fanden auf privater Ebene statt. Dies wird auch aus der Kirchengeschichte ersichtlich, wonach vor dem 3. Jh. keine Versammlungshäuser errichtet wurden17, abgesehen von privaten Häusern in der Funktion einer Hausgemeinde. Nach neueren archäologischen Befunden im ostsyrischen Dura-Europos wurde der Bau einer christlichen Hauskirche Mitte des 3. Jh. ausfindig gemacht.18 Die Versammlung der Christen ist der sichtbare Leib Jesu Christi auf Erden. Wesensmäßig, also nicht nur sinnhaft, werden für die Gemeinde folgende Begriffe genannt: „der Leib Christi“ (1Kor 12,12-30; Röm 2,4-6), „der Tempel Gottes und des Heiligen Geistes (1Kor 3,16,17; 6,19; 2Kor 6,16; Eph 2,21), das Haus Gottes (1Tim 3,15), Säule und Grundfeste der Wahrheit“ (1Tim 3,15), „Weib“ (Eph 5,21-30), „reine Jungfrau“ (2Kor 11,2) und „Reben“ (Joh 15,1-8). Alle diese Bezeichnungen der Gemeinde weisen auf „die Abhängigkeit der Gemeinde von Christus als dem Haupt, dem Grunde, dem Manne, dem Weinstock19 hin.

In diesem Kontext verweist Kim zum Verständnis der umfassenden Bedeutung der Gemeinde auf A.J.M. Wedderburn. Nach Wedderburn ist die Gemeinde in folgenden Aspekten der Leib Christi:

„Christus und sein Heilswerk des Todes dienen seiner Gemeinde; die Gläubigen der Gemeinde, also die Gemeinde selbst, bildet durch die Taufe mit dem Herrn eine Einheit; die Gemeinde zeigt durch das Abendmahl ihr Dasein in demselben Herrn; die Gemeinde trägt nach jüdischer Eigenschaft die Rolle des Repräsentanten und der Einheitsverkörperung. Somit repräsentiert die Gemeinde ihren Herrn Jesus und ist eins mit ihm; die Gemeinde kennzeichnet den Leib Christi auch aus der hellenistischen Sicht des Leibes und dessen Glieder.“20

 

Die Gewichtung der Gemeinde bei Paulus als Einheit des Leibes Christi unterstreicht Schnabel mit folgender Anmerkung:

„Das bedeutet nicht, dass es ihm nur um die Bekehrung des Einzelnen ging, nicht aber um die Gründung von Gemeinden. Für Paulus ist selbstverständlich, dass Neubekehrte zu der örtlichen Gemeinde gehören. Und seine Besuche in früher gegründeten Gemeinden auf seinen Missionsreisen belegen, welchen Stellenwert die Ortsgemeinden in seinem Verständnis von Mission spielen. Wenn Paulus an Gläubige in den Städten schreibt, in denen er missioniert hat, schreibt er nicht an Einzelpersonen, nicht an die Gemeindeleiter, sondern an die Gemeinden. Die Existenz von Gemeinden ist für ihn der Beweis seiner Apostelschaft (1Kor 9,2; 2Kor 3,1-3). Er versteht sich als ‚Diener Jesu Christi überall in allen Gemeinden’ (1Kor 4,17). Wenn er Weisungen erteilt, gelten diese häufig ‚für alle Gemeinden’ (1Kor 7,17; vgl. 11,16; 14,33; 16,1). Er berichtet von seiner ‚Sorge für alle Gemeinden’ (2Kor 11,28; vgl. 12,13).“21

3. Gemeindegründung als Bau des eschatologischen Reiches Gottes

 

Die Gemeinde Jesu zeichnet sich in erster Linie sowohl nach organischem als auch nach funktionalem Wesen als Leib Jesu aus. Am deutlichsten erfuhr Paulus die Einheit und Verbundenheit der Gemeinde mit dem erhöhten Christus in Damaskus, als Jesus sich vor ihm mit der von ihm verhassten und verfolgten Gemeinde identifizierte (Apg. 9).22 Die neutestamentliche Gemeinde besitzt außerdem eschatologische Eigenschaft und Existenz. Sie ist nicht irdisch vergänglich. Nach der Ansicht von H. Stadelmann ist die Gemeinde im NT die Manifestation des Gottesreiches, dessen Anbruch Jesus verkündigt hat. In neutestamentlichen Briefen kommt die Wendung vom „Reich Gottes“ daher verhältnismäßig selten. Dazu Stadelmann:

„In der Zeit zwischen der Auferstehung/Erhöhung Jesu und seiner Wiederkunft is der Bereich, in dem Gott seine gnädige Herrschaft über Menschen manifestiert, die Gemeinde (vgl. Apg 20,24-25; Kol 1,13). Sie kommt schon bei Jesus ins Blickfeld. So ist die Berufung der 12 Apostel – analog zu den 12 Stammvätern des alttestamentlichen Bundesvolkes – eine programmatische Tat, die auf die Sammlung des neuen Bundesvolkes zielt (Mk 3,13-19), das aus Israel, aber auch aus den Völkern gesammelt wird (Mt 10,5-15; 15,24; 21,41ff.; 28; 18ff.). Und der Jüngerkreis, der selbst noch nicht die Gestalt der urchristlich- apostolischen Gemeinde hat, wird zur Urzelle der späteren Gemeinde.“23

 

Von vornherein richtet sich die Gemeinde nach dem eschatologischen Reich Gottes. Gott will von Beginn die Menschen vom Beginn an seiner Heilsgeschichte erlösen und zur Vollendung seines Reiches die Gemeinde einsetzen. Die Apostel und die christliche Gemeinde verstanden im Gegensatz zum Judentum die neue heilsgeschichtliche Ansicht, dass sie keine heilige Sondergruppe sind, so G. Sautter mit Hinweis auf W.G. Kümmel. G. Sautter behauptet weiterhin zu der neutestamentlichen Gemeinde, dass man unter ihr nicht „den für die Endzeit aufbewahrten „Rest“ des Volkes Israel versteht, sondern als Verkörperung des „neuen Bundes“ (1Kor 11,25), den Gott durch Christus aufgerichtet hat.24 Die christliche Gemeinde machte die Zeichen der Taufe (Apg 2,38.41) und des gemeinsamen Mahls (Apg 2,42) zu Selbstverständlichkeiten ihres Glaubens. In der christlichen Gemeinde erleben die Christen das Leben in dem begonnenen endzeitlichen Heilsbund.25

 

4 Gemeindegründung als Fortsetzung der Mission und Fortsetzung weiterer Gemeindegründungen

 

Durch die Gemeindegründung wird der Pionierdienst von Paulus stabilisiert.26 Paulus gründete die Gemeinden zunächst systematisch in strategisch wichtigen Gebieten, von wo aus allmählich die Menschen im Umkreis mit dem Evangelium erreicht werden konnten.27 Paulus beabsichtigte daher mit der Gemeindegründung den Anfang und die Fortsetzung der Mission. Von den strategisch wichtigen und zentralen Orten, in denen Paulus Gemeinden gründete, kann die drei Jahre dauernde Gemeindegründung in Ephesus, der Hauptstadt der Provinz Asia (vgl. 1Kor 26,8f. mit Apg 19,10; 20,31), als Musterbeispiel aufgeführt werden. Von dort aus „dürfen die in Kol 4 und Offb 2+3 erwähnten Gemeinden Kolossä, Hierapolis, Laodizea, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia entstanden sein.“28 Als nächstes Musterbeispiel der missionarischen Tätigkeit der Ortsgemeinde ist die Gemeindegründung in Thessalonich zu nennen. Thomas Schreiner interpretiert Röm 15,19-23 so, dass Paulus von Jerusalem aus das Evangelium verkündigte und die Gemeinden in strategisch wichtigen Gebieten als Quelle für die lokale Mission gegründet hat. 29 Dazu schreibt Schirrmacher in der 22. These seines Weltmissionsanliegens:

„Die Weltmission geht nicht an den vorgegebenen soziologischen Tatsachen vorbei, sondern richtet ihre Strategie daran aus. Deswegen gründete Paulus in den Ballungszentren und Verkehrsknotenpunkten Gemeinden, überließ diesen Gemeinden die Durchdringung des Umlandes und gründete selbst neue Gemeinden in vom Evangelium unerreichten Gebieten.“30

Helge Stadelmann betrachtet aus dieser Sicht des Missionsprinzips von Paulus die Evangelisation und den Gemeindebau nicht getrennt voneinander, sondern sieht ihre Zusammengehörigkeit im Missionsdienst des Apostels.31 In diesem Blickfeld weist David J. Bosch auf eine wichtige Belehrung durch die Missionsgeschichte der Herrnhuter hin. Obwohl die Herrnhuter mit ihrer Mission mit dem Ziel persönlicher Erlösung durch Bekehrung vorbildhafte Spuren hinterließ was die Sendung der Missionare und das missionsbewusste Leben der Christen anbetraf, bemängelt man bei ihnen die Gemeindegründung und biblische Erziehung der Bekehrten.32

Alsbald nach der Gemeindegründung bildete Paulus nach Möglichkeit mit den Neubekehrten Jüngerschaft. Paulus setzte also sehr früh die von ihm geschulten Ältesten ein,33 so dass sie als Mitglieder und Mitarbeiter der Gemeinde mitwirken konnten (vgl. Apg 14,21-23). Parallel zur Jüngerschaftsbildung lässt Paulus wie in Ephesus die neuen Christen ihre christlichen Erfahrungen spontan bezeugen. Die spontanen Zeugnisse der neubekehrten Christen haben in Ephesus und Thessalonich (1Thes 1,8) stets effektiv zur Evangelisation gedient.34 Paulus gründete die Gemeinde in dem Bewusstsein, dass die Gemeinde als neue Gemeinschaft in Christus ihren missionarischen Zeugencharakter trägt.35 Die Missionssendung des Barnabas und Paulus von der Gemeinde in Antiochien zeigt das Beispiel, was der Wille des Herrn Jesus entspricht, nämlich dass die bestehende Gemeinde durch Mission neue Gemeinden gründet.36

Durch die Gemeindegründung entstanden so der Leib Christi und damit das endzeitliche Reich Gottes. Darüber hinaus ermöglicht die missionarische Aufrichtung der Gemeinde als Quelle die Weltmission, zuerst in den umliegenden und dann in den fernen Orten. Das Missionszeitalter bricht in der Zeit der Gemeinde heilsgeschichtlich an: „Mission wird dabei als Evangelisation plus Bekehrung verstanden mit dem Ziel, dass Gemeinde als Anschauungsbeispiel der Weisheit Gottes entsteht (Eph 3,7-10). Das in Christus ermöglichte Gemeindezeitalter öffnet weit den Horizont für die Weltmission; und umgekehrt zielt die Weltmission auf die Verwirklichung von Gemeinde, wie Gott sie sich gedacht hat.“37 Es scheint jedoch, dass die Christen in Ephesus nach dem Verlassen von der ersten, wie es in der johanneischen Offenbarung bekundet ist, ihre missionarische Tätigkeit und ihre Funktion als Licht und Zeuge in der Welt vernachlässigten.38

Nach R. Allen stellt sich die geografische Missionsstrategie von Paulus bis zur dritten Missionsreise folgendermaßen dar:

Erstens: Lukas und Paulus sprechen eher in Provinzen oder Zentren der Provinzen als in Städten. Beleg dafür ist die Tatsache, nach Allen, dass Paulus nach der Hinderung der Reise nach Asia nicht nach Philippi oder Thessalonich gerufen wurde, sondern nach Makedonien. Zweitens: Paulus missioniert innerhalb der römischen Herrschaftsorte, wie Süd-Galatien. Drittens: Wenn Paulus in Provinzen innerhalb des römischen Reiches missionierte, hat er aber nicht in allen Orte missioniert, sondern konzentrierte sich mehr auf die Stabilisierung der Gemeinden in einigen wenigen strategisch wichtigen Zentralen einer Provinz, von der aus die umliegenden Orte durch einheimischen Christen mit dem Evangelium erreicht werden konnten. Die Zentren, in denen Paulus die Gemeinden festigte, waren alle Zentren griechischer Zivilisation. In Lystra findet man griechische und teils lateinische Inschriften. Unter allen römischen Regierungen ging man Hand in Hand mit der griechischen Erziehung. In Zentren, wo die Mission nicht aufhören, sondern beginnen und in umliegende Orte ausgebreitet werden soll.39

Die geografische Missionsstrategie des Apostel Paulus fasst R. Allen wie folgt zusammen: „All the cities, or towns, in which he planted Churches were centres of Roman administration, of Greek civilization, of Jewish influence, or of some commercial importance.40 Diese kulturellen Bedingungen ermöglichten dem Apostel Paulus gute Kommunikationsmöglichkeiten angesichts der Sprache und des Erziehungsstils, meint R. Allen.41 Paulus sprach und schrieb griechisch und erwartete von Bekehrten, die Heilige Schrift auf Griechisch lesen zu können: „For St. Paulus, the one language was important as the one government.42 Die Orte, an denen Paulus Gemeinden gegründet und stabilisiert hat, waren meist Zentren jüdischer Kultur und deren Einflüsse. Paulus als Jude war sich sicherlich über die Stellung der jüdischen Gesellschaft im römischen Reich bewusst. Nach R. Allen erlangte die jüdische Gesellschaft und ihre Religion Achtung und Anerkennung. Dies alles eröffnete Paulus Chancen zur Verkündigung des Evangeliums.43

Die Gemeindegründung als Ziel und Ertrag der Mission sowie als Fortsetzung der Mission zum Aufbau und zur Vollendung des Reiches Gottes lag am Herzen aller Apostel, insbesondere des Apostel Paulus. Dies zeichnet sich dadurch, dass der Apostel nach der Gründung sie durch die vielfältigen Art und Weise zur Selbstständigkeit der einheimischen Gemeinden beständig betreute. Hierzulande besuchte er zu den Gemeinden wieder oder durch die Briefen und öfters durch die Betreuung von seinen Mitarbeitern, wie Timotheus und Titus und auch vielen anderen Mitarbeitern.44

1 Helge Stadelmann. „Gemeindebau nach dem Neuen Testament als Ziel der Mission“. (Hg.) H. Kasdorf/F. Walldorf, in: Werdet meine Zeugen. Hänssler: Neuhausen, Stuttgart, 1996. S. 123.
2 Eckhard J. Schnabel. Die Urchristliche Mission, a.a.O., S. 1311.
3 Siehe Kap. 2. 2. 2. 7.1

4 Eckhardt J. Schnabel. Die Urchristliche Mission, a.a.O., S. 910, 940.
5 Wolfgang Schrange. Der erste Brief an die Korinther. Bd. 1. EKK. Benziger Verlag: Zürich. Neukirchner Verlag: Neukirchen, Vluyn, 1991. S. 295.

6 Ingrid Kitzberger. Bau der Gemeinde. Das paulinische Wortfeld eukodomih und eukodomein, fzb (Forschungen zur Bibel) 53. Echter: Würzburg, 1986. S. 282.
7 Eckhardt J. Schnabel. Die Urchristliche Mission, a.a.O., S. 940.
8 Vgl. Ausführlich „Gemeinde nach Gottes Bauplan” von Alfred Kuen. Alfred Kuen. Gemeinde nach Gottes Bauplan. Verlag und Schriftenmission der Evangelischen Gesellschaft für Deutschland: Wuppertal, 1975.

9 Peter T. O’Brien. Gospel and Mission in the Writings of Paul: An Exegetical and Theological Analysis. Grandrapids: Michigan, 1995. S. 42; Thomas R. Schreiner. Paul, a.a.O., S. 66.
10 Eckhard J. Schnabel. Die Urchristliche Mission, a.a.O., S. 1358.
11 Thomas R. Schreiner. Paul, a.a.O., S. 67.

12 Peter T. O’Brien. Gospel and Mission in the Writings of Paul, a.a.O., S. 42.

13 Vgl. “Principles and Methods of Modern Missions“ von Rufus Anderson. Vgl. Rufus Anderson. Foreign Missions: Their Relations and Claims. Charles Schreibner: New York, 1869. S. 109-119.
14 Helge Stadelmann. „Gemeindebau nach dem Neuen Testament als Ziel der Mission“, a.a.O. S. 124. 15 George W. Peters. Missionarisches Handeln und biblischer Auftrag. Evangelikale Theologie. Verlag der Liebenzeller Mission: Bad-Liebenzell, 1977. S. 218-219.

16 Rufus Anderson hebt die Gemeindegründung als wichtigstes und erstes Ziel der apostolischen Missionsmethode hervor, die bei dem Missionsdienst von Paulus deutlich wird. Unterdessen benutzt Anderson in seinem Werk “Foreign Missions“ den Terminus „Sammlung” der Bekehrten anstatt des Wortes „Gemeindegründung.” Rufus Anderson. Foreign Missions, a.a.O.

17 Ebd., S. 59.

18 Rodney Stark. Der Aufstieg des Christentums. Neue Erkenntnisse aus soziologischer Sicht. Übers. von Wolfgang Ferdinand Müller. Beltz Athenäum, Weinheim, 1997. S. 13.19 Friedrich Sandheimer. Und ließen sich taufen, a.a.O., S. 57.20 Seyoon Kim. The Origin of Paul’s Gospel. Emmaus Pub. Co.: Seoul, Korea, 1994. S. 416. Anm.: 507- 508.

21 Ebd.22 Richard N. Longenecker. The Ministry and Message of Paul, a.a.O., S. 107-108.23 Helge Stadelmann. „Gemeindebau nach dem Neuen Testament als Ziel der Mission“, a.a.O., S. 122- 123; Thomas R. Schreiner. Paul, a.a.O., S. 66.

24 Gerhard Sautter. Heilsgeschichte und Mission. Zum Verständnis der Heilsgeschichte in der Missionstheologie. Brunnen: Gießen, 1985. S. 49.
25 Ebd.
26 Thomas R. Schreiner. Paul, a.a.O., S. 60.

27 Ebd., S. 60f.
28 Helge Stadelmann. „Gemeindebau nach dem Neuen Testament als Ziel der Mission“, a.a.O., S. 123- 124. Anm.: 3.
29 Thomas R. Schreiner. a.a.O., S. 60-61.

30 Vgl. 22. These der Weltmission von Thomas Schirrmacher. Thomas Schirrmacher. „Biblische Grundlagen evangelikaler Missiologie, a.a.O., S. 28; Rainer Riesner. Die Frühzeit des Apostels Paulus. J. C. B. Mohr: Tübingen, 1994. S. 301ff.
31 Ebd.

32 David J. Bosch. Witness to The World. The Christian mission in theological perspective. Übers. Ins Korean., Tyrannus Press: Seoul, Korea, 1993. S. 158-160; Gustav Warneck stellt die herausragende Missionstätigkeit der Herrnhuterschaft heraus. Sie gründeten innerhalb von zwanzig Jahren (1732- 1760) mit 226 Missionaren in 10 Ländern mehr Missionsstationen, als alle anderen protestantischen Kirchen in 200 Jahren. Vgl. Thorsten Alten. Ein Häuflein Christen mitten in der Heidenwelt des dunklen Erdteils. Zum Selbst- und Fremdverständnis protestantischer Missionare in kolonialen Afrika 1884-1918. Waxmann Verlag: Münster, 2003. G. Warneck betont in seiner Zeit unaufhaltsam die Notwendigkeit der Mission für die Kirche und Christen. vgl. ausführlich Gustav Warneck. Abriß einer Geschichte der protestantischen Missionen von der Reformation bis auf die Gegenwart. Ein Beitrag zur neueren Kirchengeschichte. J. C. Hinrichs`sche Buchhandlung: Leipzig, 18832; Gustav Warneck. Missionsmotiv und Missionsaufgabe nach der religionsgeschichtlichen Schule: AMZ (Allgemeine Missionszeitschrift) 34. Berlin, 1907. S. 3-15, 49-61, 105-122 und Gustav Warneck. Missionsmotiv und Missionsaufgabe nach der religionsgeschichtlichen Schule. AMZ 35. Berlin, 1908. S. 49-61, 109-126; Gustav Warneck. Evangelische Missionslehre. Begründung der Sendung. F. A. Perthes: Gotha, 18972. S. 94ff.

33 Thomas Schirrmacher. „Biblische Grundlagen evangelikaler Missiologie, a.a.O., S. 28.
34 Dean S. Gilliland. Pauline Theology & Mission Practice. Baker Book House: Grand Rapids, Michigan, 1983.

35 Ebd., S.181ff.

36 Manfred Bönig. Wir haben die Welt erobert. Die Mitarbeiter des Apostel Paulus. Bundes Verlag: Witten, 1980. S. 23.

37 Ebd., S. 123-124.

38 Eckhardt J. Schnabel. Die Urchristliche Mission, a.a.O., S. 1310.

39 Rufus Anderson. “Missionary Methods”, in: Missionary Methods. St. Paul's or Ours, a.a.O., S. 23; vgl. Ebd., S. 17-20.
40 Ebd., S. 19.
41 Roland Allen. “Strategic Points”, in: Missionary Methods. St. Paul's or Ours, a.a.O., S. 20-21.

42 Ebd., S. 20. Unter anderem weist R. Allen auf “St. Paul the Traveller“ von Ramsay hin. Demnach wird besagt, dass Paulus die Schrift nicht in einigen Dialekten in Kleinasien übersetzte. Roland Allen. “Missionary Methods”, S. 20. Anm.: 2.
43 Ebd., S. 21-22.

44 Zu den Mitarbeitern von Paulus werden in Neuen Testament ca. 40 Personen gezählt.